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Elektrisch mobil

Drei unterschiedliche VIVAWEST-Mietergruppen testen ein Jahr lang kostenlos ein E-Mobil Car-Sharing auf Alltagstauglichkeit.

Politik und Wirtschaft sind gegenwärtig sehr bemüht, Elektromobilität als eine neue Fortbewegungsmöglichkeit gesellschaftlich zu etablieren. Doch welchen Beitrag kann die Wohnungswirtschaft hierzu leisten? Eine Frage, auf die VIVAWEST-Mieter derzeit eine Antwort „erfahren“.

Seit 2010 hat VIVAWEST in Gelsenkirchen, Bottrop und Duisburg bereits Erfahrungen mit dem Einsatz elektrisch angetriebener PKW gesammelt. Als Konsortialpartner des Forschungsprojekts RUHRAUTOe wurde das Angebot für VIVAWEST-Mieter nun deutlich ausgeweitet. In 2016 hat VIVAWEST für drei Standorte  E-Mobile angemietet, die ausgewählten Mietergruppen für ein Jahr kostenfrei zur Verfügung stehen. Voraussetzung für die Nutzung dieser Fahrzeuge ist eine zuvor bei VIVAWEST eingegangene Bewerbung und die Bereitschaft, die über den Nutzungszeitraum gesammelten Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Nach einem Jahr Versuchszeitraum wird dann Bilanz gezogen.

 

MOBILITÄTSLÜCKE SCHLIESSEN

In Bochum-Linden hatte Iris Brockmann den Anstoß gegeben. Sie hatte ihr eigenes Auto kürzlich abgeschafft. Aus ökologischen Gründen, wie sie sagt, war sie immer mehr auf das Fahrrad und auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen. Die Lücke, die dann noch blieb, etwa für Einkaufsfahrten, wollte sie per Car-Sharing schließen. Da las sie den VIVAWEST-Aufruf an Mietergruppen, sich am Projekt RUHRAUTOe zu beteiligen. Fünf Mitstreiter fand sie in der Nachbarschaft. Im August 2016 wurde der fabrikneue weiße Nissan Leaf an die Test-Gruppe übergeben. Für Mieterin Sabine Altmicks war es in erster Linie „eine technische Umstellung“, wie sie sagt. „Ich bin bis jetzt immer in Autos mit Schaltgetriebe unterwegs gewesen, aber man gewöhnt sich schnell an die Automatik.“ Bedenken, irgendwo auf der Strecke mit leerer Batterie stehen zu bleiben, hat sie nicht. Allerdings führte ihre bisher weiteste Tour von Bochum nur bis in die Nachbarstadt Herne. Iris Brockmann ist etwa 65 Kilometer bis nach Lüdenscheid gefahren. Tabea Erwin und Borris Wagenknecht waren schon im niederrheinischen Xanten für eine Tagestour.

 

260 KM MIT BOXENSTOPPS

Jana Siegels aus Hagen ging noch einen Schritt weiter: Sie machte schon bald nach dem Start des Projekts einen Wochenendausflug ans Ijsselmeer und ist damit bisher Rekordhalterin unter den Elektropiloten von VIVAWEST. Immerhin 260 Kilometer waren es, die sie mit drei „Boxenstopps“ schaffte. Sie hatte sich vorher informiert, wo Schnellladestationen sind. Sie und ihr Sohn teilen sich den Wagen mit Familie Katke aus dem Nachbarhaus. Hier ist Vater Holger ein häufiger Nutzer des Nissans. Er hatte sich schon ein E-Bike zugelegt und ist gegenüber technischen Neuerungen aufgeschlossen.

Es waren gerade diese unterschiedlichen Motivationen und Zugänge zum Thema Elektromobilität, nach denen VIVAWEST die Mieterteams auswählte. Auch vom Alter her sollten die Gruppen gemischt sein. Ganz ging dieser Plan nicht auf. Die Altersspanne geht jetzt von 18 bis 50 Jahren; Senioren ließen sich nicht so leicht begeistern.

 

REIBUNGSLOSES CAR-SHARING

In der VIVAWEST-Siedlung Neuenkamp in Duisburg hatte sich Petra Backhaus für die Idee eines gemeinsamen E-Autos stark gemacht. „Wir nutzen das Auto überwiegend für Stadtfahrten und Besorgungen um die Ecke“, sagt sie. Umstellungsschwierigkeiten gab es keine. Die Duisburger schätzen den wirtschaftlichen Vorteil. Neun Leute gehören zur „E-Auto-Gemeinschaft“. Trotzdem gibt es keinen Streit um den Stromflitzer. „Wer den Wagen kurzfristig haben möchte, meldet sich einfach bei mir. Das klappt meistens reibungslos“, so Petra Backhaus. In Hagen haben die Mieter eine WhatsApp-Gruppe gegründet, in der jeder seine Fahrwünsche anmeldet. Es fällt auf: Am Wochenende sind die Lücken größer als montags bis freitags.

STANDORTE ATTRAKTIVER MACHEN

Was die Teilnehmer freut: Der Wagen wird ihnen kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch für den Strom zahlen sie nichts. Die Ladesäulen ließ VIVAWEST installieren. Die einjährigen Leasingverträge werden zu 40 Prozent durch das Bundesverkehrsministerium gefördert. Nicht nur für die Mieter, auch für VIVAWEST ist das Projekt ein Test: „Wir wollen herausfinden, ob wir etwas außerhalb gelegene Standorte mit einem solchen Zusatzangebot attraktiver machen können“, erklärt Projektleiterin Dörthe Hoffmann. Es könnte Siedlungen aufwerten, die schlecht an das Bus- und Bahnnetz angebunden sind. „Darüber hinaus“, erklärt Kundencenterleiterin Andrea Wenzel, deren Team auch zwei elektrische Dienstfahrzeuge nutzt, „ist die umweltfreundliche Ausstattung unserer Quartiere nicht mit der Modernisierung unserer Gebäude erschöpft. Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der auch die Reduzierung starker Verkehrsbelastungen im Blick hat. Hier liegt ein wesentliches Interesse am Projekt RUHRAUTOe. Wir wollen wissen, wie ein Angebot für unsere Kunden gestaltet sein muss, damit es Wohnstandorte aufwertet und von unseren Kunden akzeptiert wird.“

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Lehrstuhl für Mechatronik der Universität Duisburg-Essen. Via Datenlogger werden die Nutzungsweise, die Ladezyklen, aber auch der Fahrstil der Nutzer analysiert.