Wohnungswirtschaft in Bewegung
Die VIVAWEST-Geschäftsführung blickt auf das Jahr 2025 zurück. Sie skizziert Erfolge, aktuelle Herausforderungen in der Wohnungswirtschaft und Pläne für die Zukunft.
Frau Wehrmann, Sie sind seit Anfang des Jahres Vorsitzende der Geschäftsführung von VIVAWEST. Wie blicken Sie auf das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres und welchen Eindruck haben Sie von Ihrem neuen Unternehmen gewonnen?
Sandra Wehrmann: Wenn es einem Unternehmen gelingt, die ehrgeizigen Vorgaben der Gesellschafter zu übertreffen, ist das immer ein Zeichen dafür, dass gut gearbeitet wurde. Dafür bedanke ich mich bei Management und Belegschaft von VIVAWEST ganz herzlich.
VIVAWEST hat klug in die Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes investiert und zusammen mit einer guten Bewirtschaftungsperformance ein hervorragendes Unternehmensergebnis erzielt, zu dem alle Unternehmensteile beigetragen haben. Mit der ganzheitlichen Quartiersentwicklung setzt VIVAWEST zudem Maßstäbe in der Branche.
Besonders gefällt mir, dass bei VIVAWEST alle an einem Strang ziehen, nicht in Silos denken, sondern auch über den eigenen Tellerrand hinausgucken. Eine gute Voraussetzung, um auch in Zukunft gemeinsam erfolgreich zu sein.
„VIVAWEST hat klug in die Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes investiert und ein hervorragendes Unternehmensergebnis erzielt.“
Herr Serhat, Sie stehen für das operative Geschäft von VIVAWEST. Wie blicken Sie auf das vergangene Jahr und was waren aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren für das gute Ergebnis?
Haluk Serhat: Zunächst einmal sind wir sehr zufrieden mit dem Bewirtschaftungsergebnis des letzten Jahres. Aus meiner Sicht sind es vor allem zwei Faktoren, die für das gute Ergebnis ausschlaggebend sind.
Das ist zum einen die Neuordnung unseres Kundenservice. Immer mehr bestätigt sich, dass es richtig war, den Kolleginnen und Kollegen in der Kundenbetreuung mehr Verantwortung und mehr Entscheidungskompetenz für ihr Quartier zu übertragen. Ich bin mir sicher, dass wir von der höheren Identifikation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Quartier in den nächsten Jahren noch sehr profitieren werden.
Zum anderen haben unsere hohen Investitionen in Neubau und Bestand zu dem guten Ergebnis beigetragen. Einmal mehr zeigt sich, dass qualitätsvolles Wohnen in attraktiven Quartieren bei den Haushalten sehr nachgefragt ist. Der Leerstand in unseren Beständen befindet sich auf einem historisch niedrigen Niveau.
Und wie bewerten Sie aus Sicht der Arbeitsdirektorin das abgelaufene Jahr, Frau Erhard?
Karin Erhard: Gute Jahresergebnisse sind kein Zufall, sondern beruhen auf dem Engagement hervorragend ausgebildeter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bilden den Grundstein unseres Unternehmenserfolgs.
Um dem demografischen Wandel zu begegnen, investieren wir gezielt in den Ausbau unserer Arbeitgeberattraktivität. Wir richten unser Personalmanagement auf unterschiedliche Zielgruppen aus, mit besonderem Fokus auf junge Talente. So haben wir die Ausbildungszahlen kontinuierlich gesteigert und verzeichnen einen deutlich erhöhten Bewerbungszulauf.
Die Vielfalt unseres Berufs- und Aufgabenportfolios ist dabei zugleich Stärke und Auftrag: Sie ermöglicht uns, sehr unterschiedliche Talente für VIVAWEST zu begeistern, erfordert aber auch passgenaue Entwicklungs- und Bindungsangebote.
Über alledem steht das Ziel, VIVAWEST als zukunftsfähigen Arbeitgeber aufzustellen. Personalstrategie, Recruiting, Nachwuchsförderung, Kulturinitiativen und moderne Arbeitswelten greifen dabei ineinander, um unsere Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.
„Um dem demografischen Wandel zu begegnen, investieren wir gezielt in den Ausbau unserer Arbeitgeberattraktivität. Wir richten unser Personalmanagement auf unterschiedliche Zielgruppen aus, mit besonderem Fokus auf junge Talente.“
Sandra Wehrmann: Sie verfügen über eine große Erfahrung in leitender Funktion in der Wohnungswirtschaft. Wie blicken Sie mit dieser Erfahrung auf die aktuelle Wohnungsmarktsituation?
Wehrmann: Die Zeiten für Wohnungsunternehmen sind herausfordernd. Globale Krisen, stark gestiegene Baupreise und ein anhaltend hohes Zinsniveau belasten die Bilanzen und führen dazu, dass es für die Branche zunehmend schwieriger wird, Investitionen durchzuführen, vor allem wenn die Wohnungen für die Menschen bezahlbar bleiben sollen.
Gleichzeitig gibt es eine hohe Nachfrage nach Wohnungen, besonders in den großen Städten und Ballungsräumen. Dies führt zu einem Ungleichgewicht am Wohnungsmarkt: Es stehen zu wenige Wohnungen zur Verfügung, das Angebot kann nicht adäquat erweitert werden und die Preise steigen.
Die Politik verspürt in den stark gestiegenen Mieten zunehmenden Handlungsdruck. Vorliegende Gesetzentwürfe deuten an, dass der Spielraum für teils notwendige Mieterhöhungen weiter eingeengt wird. Ein Mehr an Regulierungen wird das Ungleichgewicht am Markt aber nicht lösen, sondern eher verschärfen. Letztlich profitieren davon weder Mieterinnen und Mieter noch die Vermieter.
Wir bei VIVAWEST sind uns der Herausforderung bewusst und werden im Rahmen dessen, was möglich ist, weiter in die klimaneutrale Entwicklung unseres Wohnungsbestandes investieren. Wir wollen weiterhin der starke und verlässliche Partner der Region und unserer Mieterschaft sein, wenn es um die Bereitstellung von gutem und bezahlbarem Wohnraum geht.
Was bedeutet das für die vielen Quartiersentwicklungen, die VIVAWEST in den vergangenen Jahren angestoßen hat?
Serhat: Unsere derzeit laufenden Quartiersentwicklungen werden wir wie geplant umsetzen. In unserem Modellprojekt Bergmannsgrün in Dortmund-Huckarde haben wir gute Fortschritte erzielt. Mit dem Neubau von öffentlich geförderten und frei finanzierten Wohnungen sowie der Errichtung eines Quartiersservicepoints, dem Bau von Mikroapartments und eines Quartiersparkhauses werden wir ein zukunftsgerechtes Wohnumfeld schaffen, das den Bedürfnissen vieler Zielgruppen gerecht wird.
Zunehmend spielt bei unseren Quartiersentwicklungen auch der Energieträgerwechsel eine große Rolle, ohne den der klimaneutrale Umbau des Wohnungsbestandes nicht funktionieren kann. Etwas besorgt schauen wir allerdings auf die gesetzgeberischen Hürden. Besonders die seit 2019 in ihrer Höhe unveränderte Kappungsgrenze bei Modernisierungen schränkt unseren Handlungsspielraum zur Durchführung von Modernisierungen massiv ein.
Dies macht es zunehmend schwieriger, Modernisierungen in einem vertretbaren wirtschaftlichen Rahmen durchzuführen.
„Hohe Investitionen in Neubau und Bestand haben zum guten Bewirtschaftungsergebnis beigetragen. Der Leerstand in unseren Beständen befindet sich auf einem historisch niedrigen Niveau.“
Frau Erhard, was konkret tut VIVAWEST für die Nachbarschaften in den Quartieren?
Erhard: Für VIVAWEST gehört die Stärkung des nachbarschaftlichen Miteinanders zur ganzheitlichen Quartiersentwicklung dazu. Vor allem in Zeiten gesellschaftlicher Verunsicherung können Nachbarschaften einen wichtigen Beitrag zum Zusammenhalt leisten, vermitteln Zugehörigkeit und stärken die Identifikation der Menschen mit ihrem Quartier.
Die Arbeit der Vivawest Stiftung hat genau dies zum Ziel. Sie unterstützt lokale Initiativen und Projekte, unmittelbar im Quartier und immer auf die Bedürfnisse der dort lebenden Menschen ausgerichtet. Die Wege der Unterstützung sind dabei vielfältig – von Urban Gardening, über Straßenfußball und Musik bis hin zu Bildungsangeboten.
Diese unmittelbare Vor-Ort-Arbeit ist uns besonders wichtig, denn wir sind überzeugt, Selbstwirksamkeit entsteht im direkten Wohnumfeld.
Frau Wehrmann, wie stellt sich VIVAWEST für die Zukunft auf?
Wehrmann: Die Wohnungswirtschaft ist gefordert wie selten zuvor, verlässliche Rahmenbedingungen gibt es derzeit kaum. Für uns bei VIVAWEST ist das kein Grund abzuwarten. Denn wir müssen uns – völlig unabhängig von externen Faktoren – selbst so wetterfest und zukunftsfähig aufstellen, wie wir können. Das heißt: Gewohntes hinterfragen, klare Entscheidungen treffen und auf die Fähigkeiten und Eigenverantwortung unserer Mitarbeitenden setzen. Die hohe Identifikation der Mitarbeitenden mit VIVAWEST ist ein echter Wettbewerbsvorteil, den wir weiter nutzen werden.
Gemeinsam mit unseren Gesellschaftern werden wir in den kommenden Monaten die Weichen für die nächsten Jahre stellen. Dabei gilt für mich: Gründlichkeit vor Geschwindigkeit, aber auch ohne Zögern, wenn Entscheidungen anstehen. Unser Auftrag bleibt unverändert: guter und bezahlbarer Wohnraum in lebenswerten Quartieren. Dabei müssen wir anerkennen, dass wir nicht alles gleichzeitig leisten können. Deshalb setzen wir Prioritäten.
Der aktive Umbau unseres Bestands hin zu einem dekarbonisierten Portfolio hat Vorrang – mit realistischen Etappen und wirtschaftlichem Augenmaß. Klimaschutz und Bezahlbarkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Gleichzeitig sichern wir unsere wirtschaftliche Stabilität, denn nur so bleiben wir handlungsfähig und können unseren Auftrag erfüllen.
Digitalisierung nutzen wir dort, wo sie konkret entlastet und Abläufe verlässlicher macht. Mit der weiteren Bündelung von Unternehmensteilen am Standort Nordstern stärken wir bewusst unsere Zusammenarbeit. Nähe schafft Klarheit und Geschwindigkeit.
So entwickeln wir VIVAWEST zu einem Unternehmen, das auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich bleibt: für unsere Mieterinnen und Mieter, für unsere Mitarbeitenden und für unsere Gesellschafter.
Fotos: Nico Kleemann