„Hallo Borsigplatz“
Quartiere sind mehr als Wohnraum. Am Beispiel des Borsigplatzes zeigt sich, wie Quartiersentwicklung und Nachbarschaft zusammenwirken und was es braucht, damit Zusammenhalt im Alltag entsteht.
Ein Quartier, das lebt – vom frühen Öffnen der Haustüren bis zum letzten Gespräch auf der Bank am Abend. Über den Tag hinweg kreuzen sich Wege, Begegnungen entstehen beiläufig, Gespräche beginnen und enden zwischen Treppenhaus, Gehweg und Innenhof. Ein kurzer Gruß hier, ein Nicken dort, Hilfe ohne große Worte. Klingt unspektakulär? Vielleicht. Und doch entscheidet sich genau in diesen alltäglichen Momenten, wie Nachbarschaft erlebt wird und welches Potenzial sie entfalten kann.
Was macht ein Quartier zu einem Ort, an dem Menschen bleiben, sich zugehörig fühlen, Verantwortung füreinander übernehmen? Und was können wir bei VIVAWEST leisten, wenn es darum geht, Nachbarschaften zu stärken und den Zusammenhalt in unseren Quartieren zu fördern?
Um diese Fragen zu beantworten, haben wir mit unseren Mietern gesprochen. Wir haben zugehört, nachgefragt und versucht zu verstehen, was Nachbarschaft heute auszeichnet und in welcher Beziehung sie zum alltäglichen Erleben des Quartiers steht.
Weitere Perspektiven zu diesem Thema: Ein Zuhause entsteht
Quartiersentwicklung schafft Begegnungsräume
Der Borsigplatz in der Dortmunder Nordstadt steht mit seiner Historie beispielhaft für das immer wieder neu entstehende Zusammenspiel von Raum und Nachbarschaft. Für viele ist er mehr als eine Adresse. „Heimat“, sagen einige – „Gemeinschaftsgefühl“ andere. In den Erzählungen wird deutlich: Nachbarschaft ist kein festes Gefüge, sondern eine Alltagspraxis. Sie entsteht zwischen Haustür und Gehweg, im Vorbeigehen, beim Teilen von Gebäck, beim Tragen schwerer Einkaufstaschen. Echte Nähe ist dabei nichts Selbstverständliches. Sie muss immer wieder hergestellt werden.
Gleichzeitig zeigt sich: Raum prägt Beziehung. Wo Angsträume verschwinden, wo Licht, Gestaltung und Aufenthaltsqualität wachsen, wächst auch die Bereitschaft zum Miteinander. Die Entwicklung des Quartiers rund um den Borsigplatz hat genau hier angesetzt – mit neuen Sichtachsen, besserer Beleuchtung, gestalteten Fassaden und nutzbaren Außenräumen. Das Quartier wird dadurch zum Möglichkeitsraum. Es lädt ein, sich draußen aufzuhalten, sich zu begegnen und ins Gespräch zu kommen.
Nachbarschaft entsteht im Alltag
Natürlich ist Nachbarschaft kein Selbstläufer. Unterschiedliche Lebensweisen, Sprachen und Erwartungen treffen aufeinander. Manchmal entstehen Distanz und Unsicherheit. Doch unsere Gespräche mit den Mieterinnen und Mietern zeigen: Dort wo Dialog stattfindet, wo Quartiere gemeinsam gestaltet und Herausforderungen angesprochen werden, funktioniert Nachbarschaft. Ein Gruß auf der Straße, ein offenes Wort im Hausflur – kleine Gesten mit großer Wirkung.
Hier liegt das besondere Potenzial von Nachbarschaft. Sie entsteht nicht von allein. Aber sie lässt sich ermöglichen. Deshalb verstehen wir Quartiere nicht als Summe einzelner Wohnungen, sondern als soziale Räume mit eigener Dynamik.
Das Beispiel der Quartiersentwicklung am Borsigplatz macht Mut. Es zeigt, dass sich Raum- und Nachbarschaftserleben gegenseitig beeinflussen und dass aus dieser Wechselwirkung Zukunft entstehen kann. Als Wohnungsunternehmen tragen wir Verantwortung. Indem wir Quartiere ganzheitlich entwickeln, gestalten wir nicht nur Wohnraum – wir stärken Zusammenhalt und schaffen Orte, an denen Nachbarschaft ihr Potenzial entfalten kann.
Fotos: Carsten Paul (2), Dirk Bannert | Illustration: DAQ/2Agenten