Wir im Quartier

Invasive Pflanzen auf dem Vormarsch

Der Klimawandel setzt den Grünflächen zu. Während heimische Gewächse unter Hitze und Trockenheit leiden, breiten sich gebietsfremde Arten aus – eine Herausforderung für das Grünflächenmanagement von VIVAWEST.

  • Invasive Pflanzen, wie zum Beispiel der Staudenknöterich oder Riesen-Bärenklau breiten sich in NRW immer weiter aus. Auch die Grünflächen in den VIVAWEST-Quartieren sind betroffen.
  • Einige dieser Neophyten reduzieren die Tier- und Pflanzenvielfalt oder bergen gesundheitliche Risiken.
  • Um die Grünflächen in den Quartieren optimal pflegen zu können, muss das HVG Grünflächenmanagement Pflegezyklen anpassen und sich auf die invasiven Arten einstellen.
  • Ziel der Grünflächenpflege bei VIVAWEST ist es, eine dichte Vegetationsdecke zu schaffen, die gut für die Herausforderungen des Klimawandels (anhaltende Trockenperioden und öfter auftretender Starkregen) gewappnet ist.  

Sicher ist es einigen Mietern schon aufgefallen: Viele Grünflächen verändern sich – auch in den VIVAWEST-Quartieren. Im Zuge des Klimawandels geraten heimische Baumarten wie Buche und junger Spitzahorn vielerorts unter Trockenstress, während sich gebietsfremde Arten, etwa Staudenknöterich, Ambrosia oder Riesen-Bärenklau, mancherorts stärker ausbreiten können. Das stellt das HVG Grünflächenmanagement, ein Tochterunternehmen von VIVAWEST, vor eine Herausforderung: Die Begrünung der Quartiere muss unter veränderten Klimabedingungen funktionieren – und gleichzeitig kontrollierbar, ökologisch und bezahlbar bleiben.

„Wir müssen Beete und Rasenflächen so gestalten, dass sie sowohl Trockenperioden als auch Extremniederschläge überstehen und gleichzeitig die ökologische Vielfalt sicherstellen“, erklärt Gerald Müller, Leiter Geodaten- und Qualitätsmanagement bei der HVG Grünflächenmanagement GmbH.

Warum Vielfalt schützt

Im Idealfall bedeutet das: Pflanzen spenden Schatten, puffern Starkregen ab, stabilisieren den Boden, bieten Nahrung für Insekten und sorgen dafür, dass weniger Wasser verdunstet. Leiden heimische Pflanzen unter Hitze und Trockenheit, wachsen sie nicht gut oder sterben ab – es entstehen offene Bodenstellen. Diese Lücken werden häufig von schnell wachsenden, gebietsfremden Arten besetzt, die mit den extremen Bedingungen besser zurechtkommen.

Was braucht das Quartier?

Einige dieser invasiven Arten reduzieren die Tier- und Pflanzenvielfalt oder bergen gesundheitliche Risiken – der Riesen-Bärenklau etwa kann bei Hautkontakt schwere Verbrennungen verursachen. Andere wiederum können nützlich sein. Müller nennt den Essigbaum als Beispiel: Er ist raschwüchsig und verdrängt entsprechend heimische Arten, gleichzeitig toleriert er aber Hitze, Trockenheit, verdichtete Böden, und er spendet Schatten – ein Vorteil in aufgeheizten Innenhöfen. „Wir müssen deshalb immer überlegen: Was braucht das Quartier, und was schadet der Vielfalt? Wir wollen nicht alle Arten automatisch entfernen, sondern abwägen zwischen ökologischer Leistung, wirtschaftlicher Steuerbarkeit und Anforderungen des Quartiers.“

Viele invasive Arten lassen sich jedoch nicht mit einem einzigen Eingriff regulieren und erhöhen den Kontroll- und Pflegeaufwand. Beim Staudenknöterich treiben selbst kleine Reste von Wurzelstöcken (Rhizomen) wieder aus – andere Arten müssen vor der Samenreife geschnitten werden, um die Ausbreitung zu begrenzen. „Solche Zyklen beeinflussen ebenfalls unsere Planung“, sagt Müller.

Um die Grünflächen widerstandsfähiger zu machen, steigen auch die technischen Anforderungen: Pflanzflächen müssen sowohl Trockenperioden als auch Starkregen aushalten. Dazu testet das HVG Grünflächenmanagement unter anderem wasserspeicherfähige Substrate, die Starkregen aufnehmen und das Wasser später an die Pflanzen abgeben. Das Ziel ist eine stabile Vegetationsdecke, die weniger Lücken bildet und dadurch unerwünschten Arten weniger Angriffsfläche bietet.

Was Mieter tun können

Auch Mieter können helfen: Wer ungewöhnlich wuchernde Pflanzen auf den Grünflächen bemerkt, sollte dies über das digitale Kundenportal von VIVAWEST melden. Von einer Entfernung in Eigenregie rät Müller allerdings dringend ab – unsachgemäße Eingriffe können die Ausbreitung sogar verstärken, etwa wenn Wurzelreste im Boden verbleiben.

Mieten in NRW