Was wir bewegen

Gestärkt in die Zukunft

Die Vivawest Stiftung unterstützt das Mädchenbildungszentrum Mabilda in Duisburg. Pädagoginnen helfen Mädchen und jungen Frauen, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und für ihre Rechte einzustehen.

Unscheinbar hinter Zaun und Büschen steht im Duisburger Dichterviertel im Stadtteil Obermarxloh ein kleines, weißes Gebäude. Aus der Tür tritt eine junge Frau mit rotblonden Haaren. „Willkommen beim Mädchenzentrum Mabilda“, sagt sie und lächelt. Lea Cerny ist Projektleiterin beim Mabilda e. V. und bittet uns, ihr zu folgen. Es geht in einen kleinen Flur – vorbei an Küche, Büro und Toilette. Am Ende des Gangs befindet sich ein Raum mit kleinen Tischen und Stühlen. An der Wand sind Regale angebracht, gefüllt mit unzähligen Brett- und Kartenspielen. An einer großen Fensterfront kleben noch bunte Weihnachtmotive.  „Unsere Räumlichkeiten sind nicht gerade groß, aber wir machen das Beste draus“, sagt Cerny.

Vertrauen schaffen

Mabilda ist eine Kurzform für Mädchenbildungsarbeit. Der Verein fördert Mädchen und junge Frauen im Alter von sechs bis 18 Jahren. „Das Mädchenzentrum ist unser bekanntestes Projekt“, sagt Cerny. „Wir gehen aber auch in Schulen und klären dort unter anderem über Selbstbehauptung oder Sexualität auf.“

Montags bis donnerstags treffen sich rund 20 Mädchen im Zentrum. Sie essen gemeinsam, treiben Sport, arbeiten kreativ, erledigen Hausaufgaben, erhalten Nachhilfe oder Unterstützung bei Bewerbungen – alles kostenlos. Zudem arbeitet Mabilda eng mit Schulen, dem Jugendamt und Pädagogen zusammen. Oft übernehmen die Mitarbeiterinnen dabei eine vermittelnde Rolle, etwa bei Konflikten in der Schule oder in der Familie. „Manchmal sind wir ein Stück weit auch Anwältinnen für die Mädchen“, sagt Cerny.

Sensible Themen

Neben einem offenen Treff bietet Mabilda Beratung zu sensiblen Themen an, etwa bei familiären Konflikten oder drohender Zwangsverheiratung. Gegründet wurde der Verein bereits 1991, zunächst als Anlaufstelle für Frauen, die im Zuge der Arbeitsmigration nach Deutschland gekommen waren.   

Sevim Ölmez kennt die frühen Anfänge gut – sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei Mabilda. „Gerade in den Achtziger- und Neunzigerjahren durften viele Mädchen mit Migrationshintergrund kaum das Haus verlassen, sich mit Freundinnen treffen oder ihren Hobbys nachgehen“, sagt sie. „Durch unsere Arbeit und viele intensive Gespräche mit den Eltern konnten wir Mabilda bei den Familien so etablieren, dass sie ihre Mädchen mit einem guten Gefühl zu uns geschickt haben.“ Auch heute ist Mabilda für viele Eltern und ihre Töchter eine wichtige Institution im Stadtteil.

Der Verein ist auf finanzielle Hilfe angewiesen. Ein wichtiger Partner ist seit 2018 die Vivawest Stiftung. Im Oktober 2024 wurde die jährliche Förderung in Höhe von 8.000 Euro für weitere zwei Jahre verlängert. „Die Vivawest Stiftung gehört zu unseren größten Förderern und hilft uns enorm“, so Lea Cerny. „Mit dem Geld finanzieren wir unter anderem unsere Ferienprogramme und kleinere Ausflüge. Außerdem stehen wir regelmäßig im Austausch mit der Stiftung. Man merkt, dass ihr unsere Arbeit wirklich wichtig ist.“

Buntes Programm

Inzwischen ist es Mittagszeit. Während Cerny über die Einrichtung spricht, klingelt es an der Tür. Die ersten Mädchen kommen direkt von der Schule, um zu basteln, zu spielen oder einfach Zeit mit ihren Freundinnen zu verbringen. Sozialarbeiterin Hatice Dagdas steht bereits in der Küche und verteilt Nudelauflauf auf die Teller – auch eine warme Mahlzeit gehört zum Angebot von Mabilda.

Die neunjährige Sana ist eines der Mädchen, die nach der Schule häufig Zeit bei Mabilda verbringen. „Mir machen die Gartenprojekte am meisten Spaß. Das Umgraben der Erde und das Pflanzen von Blumen ist einfach toll“, erzählt sie. Heute steht allerdings Malen auf dem Programm. Cerny und ihre Kolleginnen schieben die Tische zusammen, decken sie mit Plastiktischdecken ab und verteilen Farben, Pinsel und Leinwände. Bevor es losgeht, gibt es einen kurzen Ausflug in die Kunstgeschichte: Die Mädchen erfahren etwas über das Leben und Werk der mexikanischen Malerin Frida Kahlo. Anschließend dürfen sie selbst den Pinsel schwingen. Auf den Leinwänden entstehen Sonnenuntergänge, Blumenwiesen, Tiere und farbenfrohe Sommermotive.

Mutig werden

„Es ist einfach schön zu sehen, wie die Mädchen aufwachsen, sich öffnen und selbstbewusster werden. Mittlerweile kommen sogar Töchter von Müttern, die selbst schon als Mädchen oder Jugendliche in die Einrichtung gekommen sind. Das ist schon ziemlich besonders“, so Hatice Dagdas.

Lea Cerny erinnert sich an eine junge Frau mit kurdischem Hintergrund, die 2015 nach Deutschland kam und heute in Thüringen Pharmazie studiert. „Wir stehen noch immer in Kontakt. Sie hat mir erst kürzlich gesagt, dass sie ohne Mabilda niemals die Erlaubnis von ihren Eltern bekommen hätte auszuziehen.“ Mabilda habe deswegen viele Gespräche mit der Mutter geführt. Auch außerhalb der Einrichtung begleiten die Betreuerinnen ihre Schützlinge, zuletzt etwa bei einer Ballettaufführung, bei der eines der Mädchen seinen ersten Auftritt hatte.

Die gute Arbeit der Betreuerinnen spricht sich inzwischen herum. Immer mehr Mädchen finden den Weg zu Mabilda – oft auf Empfehlung von Freundinnen oder Geschwistern, die bereits gute Erfahrungen mit der Einrichtung gemacht haben. „Einer unserer größten Wünsche ist, dass unsere Mädchen und jungen Frauen ihren Platz in dieser Gesellschaft fin den und selbstbestimmt ihren Weg gehen können“, sagt Cerny.

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